Für Unternehmen ist das Telefoninterview, oder telefonisches Bewerbungsgespräch, ein kostengünstiger Filter vor der Einladung zum Vorstellungsgespräch oder dem Assessment Center. Um es klar und deutlich zu sagen: das Telefoninterview ist eine Auswahlstufe, in der nach dem ersten Schritt der Bewerbung nochmal weiter Bewerber ausgesiebt werden. Und die nette Stimme am anderen Ende ist möglicherweise ein geschulter Mitarbeiter einer externen Personalberatung, die das Auswahlverfahren für das Unternehmen durchführt.

Meist wird das Telefoninterview nicht ohne Vorwarnung durchgeführt, sondern es wird vorab ein Termin abgesprochen. Dann kannst Du davon ausgehen, dass es ein professionell durchgeführtes Interview sein wird, welches Du ernst nehmen und vorbereiten solltest. Bereite ich auch darauf vor, am vereinbarten Termin rechtzeitig an einem ruhigen und ungestörten Platz auf den Anruf warten.

Stelle sicher, dass Dein Telefon-Akku frisch aufgeladen ist und Du ungestört bist. Hänge ggf. ein „Bitte nicht stören“-Schild an die Tür, stelle die Türklingel und weitere Telefone auf stumm, oder besser aus, und vermeide, dass Kinder oder Hunde vor Ort sind. Du solltest Deine Unterlagen, insbesondere Deinen Lebenslauf, wohlgeordnet auf dem Tisch parat haben, sowie Papier und Kugelschreiber für Notizen. Auch ein Glas Wasser sollte nicht fehlen, denn man bekommt beim Reden leicht einen trockenen Mund.

Eine Besonderheit im Telefoninterview ist, dass Du Dir Spickzettel mit Stichpunkten zu den typischen Bewerbungsfragen machen kannst, die ebenfalls fertig vor Dir auf dem Tisch liegen. Du solltest sie auf gar keinen Fall ablesen, oder anfangen zu blättern, aber so kannst Du im Zweifelsfall mit einem Blick nach links oder rechts einen Anhaltspunkt haben, wie oder was Du bei einer bestimmten Frage antworten wolltest. Das kann helfen, die Nervosität zu reduzieren.

Wenn Du nervös sein solltest, greifst Du selbstverständlich nicht zum Kaugummi oder Bonbon, all das hört man am Telefon. Wenn man das Telefon auf Lautsprecher schaltet, und dabei aufgeregt im Raum auf und ab trabt, bekommt der Anrufer das ebenfalls akustisch mit.

Telefoninterview

Ein Telefoninterview ist eine Vorstufe eines persönlichen Bewerbungsgesprächs, in der aber ähnliche Fragen und Inhalte vorkommen.

Mache lieber im Vorwege ein paar Stimmübungen und trinke einen Schluck Wasser, das lenkt Dich ab und macht die Stimme geschmeidig. Denn die Haupthürde des Telefoninterviews ist die Reduktion auf das Ausdrucksmittel Stimme. Du kannst hier weder mit Deinem charmanten Lächeln, noch durch die Körpersprache oder durch das selbstbewusste Auftreten punkten. Allerdings hört man eine gute Körperhaltung und ein Lächeln immer durch den veränderten Resonanzraum mit. Sitze deshalb aufrecht und gerade, oder noch besser: telefoniere aufrecht stehend. Ein absolutes Tabu ist es, Dich irgendwo hinzulümmeln, wie man es vielleicht bei einem privaten Gespräch macht.

Es gilt grundsätzlich am Telefon: Sprich langsam und mache Pausen. Lass Dein Gegenüber ausreden. Sei sehr höflich. Lass Dich nicht zu allzu langen Monologen hinreißen: Eine Sprechzeit von fünf Minuten ist mindestens dreieinhalb Minuten zu viel! Natürlich sind auch einsilbige Antworten und die Aneinanderreihung von Worthülsen nicht zielführend. Und vor allem: Sprich lieber über das, was Du gemacht hast und wie und warum Du es gemacht hast, als wie Du bist. Gib dabei genau wie im klassischen Bewerbungsgespräch viele Beispiele, und lege Deinen Motivation dar.

Ebenso wie beim Vorstellungsgespräch sammle Deine Argumente zuvor. Du solltest wissen, warum die Firma Dich einstellen sollte, und auch auf die anderen klassischen Fragen solltest Du vorbereitet sein. Anders als im persönlichen Gespräch liegt hier Dein Lebenslauf vor Dir, den Du als Stütze nutzen kannst.

Manchmal werden im Telefoninterview auch Angaben zu Fremdsprachen überprüft, dann könnte es sein, dass jemand mitten im Telefonat auf Englisch oder Spanisch wechselt. Hast Du in deinen schriftlichen Bewerbungsunterlagen verhandlungssichere Sprachkenntnisse angegeben, so musst Du hier souverän reagieren können. Lasse Dich darauf ein, und antworte in der jeweiligen Sprache. Dabei kommt es mehr darauf an, dass Du in der gleichen Sprache antwortest, als dass Aussprache und Grammatik gleich perfekt sein müssen.

Notiere Dir auch ein paar eigene Fragen: Gibt es noch Fragen zu den Aufgaben oder zu Formalitäten, die Du gern wissen möchtest? Fragen zu Sozialleistungen oder Gehalt gehören aber nicht ins Telefoninterview. Unter Eigene Fragen im Bewerbungsgespräch findest Du hierzu mehr Informationen.

Manchmal wird auch nur angerufen, um noch etwaige Unklarheiten aus der schriftlichen Bewerbung zu klären oder Angaben zu überprüfen. Dann kann es sein, dass das spontan und ohne Vorankündigung erfolgt. Bevor man Dich auf dem falschen Fuß erwischt: Mache lieber eine schnelle Ansage, dass es momentan unpassend sei und mache einen Rückruftermin aus. Lass Dir auf jeden Fall den Namen des Anrufers sagen und das Zeitfenster für den Rückruf geben.

Auch beim Telefoninterview kann man den Ablauf gut vorab üben. Die Fragen und der Ablauf ähnelt stark dem klassischen Interview. Ein Hauptunterschied ist, dass das Telefoninterview noch eher oberflächlich ist, und wahrscheinlich mehr der typischen Fragen enthält, während im nächsten Schritt im persönlichen Bewerbungsgespräch dann detaillierter auf einzelne Station und Erfahrungen eingegangen wird, und der Anteil an Verhaltensfragen steigt. Beide Gesprächsarten sind aber gleich wichtig, denn ohne ein erfolgreiches Telefoninterview wirst Du erst gar nicht ins persönliche Gespräch eingeladen.

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