Ein absoluter Klassiker des Bewerbungsgesprächs ist die Bitte, Deinen Lebenslauf nochmal kurz durchzugehen. Entweder fragt der Recruiter direkt danach, oder stellt Dir Fragen, die sich sehr eng an Deinem Werdegang orientieren, oft mit einem Ausdruck Deines Lebenslaufs in der Hand.

Maximal 4-6 Minuten
Beschränke Dich auf maximal 4-6 Minuten, wenn Du gebeten wirst, Deinen Lebenslauf kurz durchzugehen. Der Recriuter wird Dich vermutlich an einzelnen Stellen unterbrechen und Detailfragen stellen, oder nach Deiner Zusammenfassung auf einzelne Punkte detaillierter eingehen. Gib ihm diese Chance, die Schwerpunkte selbst zu wählen, zu denen ihn weitere Details interessieren.

Die Frage dient auch oft als Einstieg zu detaillierteren Fragen, so dass Du nicht zu viel Zeit damit verbringen solltest. Sie die Frage als Chance, nur die absoluten Highlights nochmal in Erinnerung zu rufen und somit das Gespräch ein Stück weit in die Richtung dieser Highlights zu lenken. Je länger Du redest und je mehr Details zu einbaust, desto unruhiger wird der Recruiter (der ja noch viele weitere Fragen stellen möchte), und desto weniger Aufmerksamkeit landet auf den echten Top zwei oder drei Highlights. Es geht dem Recruiter nicht um Vollständigkeit, und auch noch nicht um Details, sondern gerade darum , die Highlights direkt von Dir zu hören.

Worauf achtet der Recruiter?
Ein guter Recruiter achtet bei der Frage nach einer kurzen Zusammenfassung Deines Werdegangs auf mehr als nur den Inhalt. Viel wichtiger sind die Punkte:

  • Kannst Du priorisieren und Wichtiges von Unwichtigem trennen?
  • Baust Du Deine Antwort strukturiert auf und nennst die Ziele, die Du verfolgt hast, die Methoden, die Du benutzt hast und die Ergebnisse, die Du erzielt hast?
  • Gibt es einen roten Faden oder logischen Zusammenhang zwischen den einzelnen Stationen?
  • Kannst Du einen komplexen Zusammenhang knapp und einfach darstellen?

Priorisierung
Auf genau diese Punkte solltest Du in Deiner Antwort eingehen, denn die Struktur ist mindestens genauso wichtig wie der Inhalt. Die Priorisierung erreichst Du dadurch, Dich auf 4-6 Minuten zu beschränken und nur die wichtigsten Highlights zu nennen. Besonders gut kannst Du Dich präsentieren, wenn Du im ersten Satz knapp die Bereiche nennst, auf die Du Dich fokussiert und warum: „Ich gehe kurz auf mein Studium und meinen Auslandsaufenthalt ein, da mich beides besonders geprägt hat, und beschreibe danach kurz meine praktische Erfahrung in meinen Praktika.“

Werdegang im Interview

Im Interview stellt man seinen Lebenslauf in weniger Minuten noch einmal vor. Dabei sollte man sich auf die wichtigsten drei Punkte mit Relevanz für die Stelle beschränken und diese möglichst in einen zusammenhängenden Kontext bringen.

Struktur
Eine strukturierte Antwort gibst Du, wenn Du Dich an das Schema Ziele, Methoden und Ergebnisse hältst. Überlege Dir im Vorfeld des Gesprächs zu jedem Deiner wichtigsten fünf Stationen im Lebenslauf, warum Du Dich für diesen Weg entscheiden hast (Ziele, z.B. Grund oder Motivation für Praktika in bestimmter Branche oder Bereich). Erläutere dann, welche Schritte Du unternommen hast, um Dein Ziel zu erreichen (Methoden, z.B. Kontakt zu Personen in Wunschbranche aufgenommen oder gezielt vorbereitende Praktika gemacht, um danach für Wunschunternehmen interessanter zu sein). Schließe Deine Ausführung mit dem Ergebnis ab (z.B. 6-monatiges Praktikum in Wunschunternehmen mit großen Weiterentwicklungsmöglichkeiten).

Je Highlight im Lebenslauf solltest Du ca. eine Minute aufwenden. So kommst Du auf eine ca. 5-minütige Antwort.

Roter Faden
Einen roten Faden kann der Recruiter erkennen, wenn Du die wichtigsten Stationen in deinem Werdegang miteinander verknüpfen kannst. Versuche, eine übergreifende Story zu finden, mit der Du möglichst viele Deiner Highlights begründen kannst. Z.B.: „Ich habe mich schon früh für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert und als Kind Limonade verkauft. Daher war die Studienwahl für mich recht klar. Später habe ich mich dann auf Marketing spezialisiert und mein Interesse für Lebensmittel durch Praktika bei Getränke Heinz und Mustermann Erfrischungsgetränke ausgebaut.“

Das übergreifende Thema muss zu Dir und Deinem Typ passen, und darf natürlich nicht frei erfunden sein. In der Regel gibt es ja einen Grund, warum Du bestimmte Dinge gemacht hast. Und auch Ausreißer sind erlaubt und willkommen, solange Du eine Begründung hast und offen damit umgehst: „Neben dem Marketing hat mich im Studium auch das Controlling interessiert. Daher habe ich in meinem ersten Praktikum den Blick über den Tellerrand gewagt und bei der Schulz Computer AG im Rechnungswesen gearbeitet.“

Komplexe Zusammenhänge einfach darstellen

Über die Stationen im eigenen Lebenslauf kannst Du sehr viel und lange erzählen. Halte Dich zurück, beschränke Dich auf das Wesentliche, und erkläre dafür kurz, was Du gemacht hast und welchen Beitrag Du geleistet hast. Die formal korrekten Bezeichnungen in Deinem Lebenslauf-Dokument sagen manchmal nicht viel über die tatsächliche Tätigkeit aus, bzw. sind allgemein gehalten. Im Interview punktest Du, in dem Du ungefragt komplexe Zusammenhänge oder ungewöhnliche Bezeichnungen erklärst. Noch besser ist es natürlich, wenn Du sie gleich schon im Lebenslauf vermeidest. Zumindest in den Zeugnissen hat man darauf wenig Einfluss.

Beispielsweise kannst Du ein Praktikum in einem Maschinenbauunternehmen, in dem Du laut Zeugnis und Lebenslauf „Prozessoptimierung zur DIN 9000 konformen Automatisierungssteuerung“ gemacht hast, leicht erklären. Ein Ingenieur weiß sofort, worum es geht, während sein Kollege aus der Personalabteilung wahrscheinlich weder die DIN 9000 noch den Begriff Automatisierungssteuerung kennt. Eine knappe Erklärung des komplexen Zusammenhangs wäre z.B.: „Die Fertigung von Bauteilen wurde von Robotern ausgeführt, die nach einer Neuprogrammierung eine Qualitätsprüfung durchlaufen mussten. Ich habe für einen Qualitätstest einen Leitfaden entwickelt und mich eng mit den Technikern abgestimmt. Anschließend haben wir das gesamte Fertigungsteam darin geschult.“

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